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Kapstadt: Falling in love

Text: Bernhard Krieger

Flirts gibt es viele, Verlieben geht manchmal schneller als man denkt, aber die wahre Liebe ist selten. Die Malediven sind so eine echte Liebe – und auch Kapstadt. Südafrikas Metropole am Kap ist wunderschön, faszinierend und immer wieder überraschend.

Wenn das weiche Licht am Kap den Tafelberg erstrahlen und die wie eine Tischdecke auf dem Hochplateau liegenden Wolken aufleuchten lässt, kann ich meinen Blick gar nicht mehr abwenden. Wie hypnotisiert schaue ich auf dieses einzigartige Massiv. Mehr als 300 Wege führen hinauf auf den Berg, der für Kapstadt genauso zum Wahrzeichen geworden ist, wie der Zuckerhut für Rio oder der Akropolis-Hügel für Athen. Ob man gemütlich über Stunden hinauf spaziert, die sportliche Direttissima an Seil und Hacken wagt oder bequem mit der Seilbahn zum Gipfel schwebt, ist ganz egal. Hauptsache man steht irgendwann selbst auf diesem magischen, kilometerlangen Gipfelplateau.

Über den Dächern von Kapstadt

Ich habe heute die Gondel genommen. Auf dem über 1000 Meter hohen Berg weht mir eine frische Brise ins Gesicht. Ich erahne, warum die tückischen Winde draussen auf der offenen See, wo der von Walen und Haien bevölkerte Atlantische und Indische Ozean aufeinandertreffen, einst so vielen Seeleuten zum Verhängnis geworden sind. Überwältigt von der Schönheit der Landschaft, drehe ich mich immer wieder im Kreis, so spektakulär ist die Aussicht in alle Himmelsrichtungen: Nach Süden ziehen sich die Gebirgsketten der Kap-Halbinsel, wo ich in den Strandcafés von Camps Bay schon so manchen Sundowner getrunken habe. Weiter wandert mein Blick über die Gipfel der berühmten Twelve Apostles bis zur Houte Bay, über die ich von Kapstadt aus kommend schon so oft über den Chapman’s Peak Drive gefahren bin. Die legendäre Küstenstrasse schlängelt sich über kühn in den Felsen gesprengte Kurven rund 150 Meter hoch über dem Meer.

Faszinierende Natur Südafrikas

Weiter östlich schliesst die False Bay an, deren südliches Ende ins Kap der Guten Hoffnung übergeht. In dem Naturschutzgebiet rennen Antilopen und Springböcke umher und lästige Affen klauen unaufmerksamen Touristen alles wirklich oder vermeintlich Essbare. Wer seinen Blick von den herumtollenden Pavianen und der aufgewühlten See löst und auf den Boden schaut, entdeckt prächtige Proteen, die Nationalblumen Südafrikas.

Robben Island: Ein Muss

Hier oben auf dem Tafelberg schaue ich aber jetzt weit zum Horizont hinaus nach Norden. Dort liegt im Atlantik die ehemalige Gefängnisinsel Robben Island, auf der Nelson Mandela inhaftiert war. Ein Ausflug zu dieser historischen Insel ist ein Muss.

Die Ausflugsboote dorthin starten an der Victoria & Alfred Waterfront, dem Kapstadter Pendant zur Fishermans Wharf in San Francisco oder zum Port Jackson in Sydney. Wo einst unansehnliche Hafenanlagen standen, reihen sich heute in unmittelbarer Nachbarschaft zum One & Only Luxushotel schmucke Läden, coole Bars und erstklassige Restaurants aneinander. Sie tischen einen köstlichen Mix aus afrikanischen Spezialitäten mit europäischen und asiatischen Einflüssen auf. Die Küche Südafrikas ist so vielfältig, wie die von Einheimischen, Einwanderern und Kolonialherren geprägte Nation selbst. Viele Restaurants sind herausragend und erstaunlich günstig. Auch Weinliebhaber werden begeistert sein. Die Tropfen aus den nur knapp eine Stunde entfernten Winelands rund um Stellenbosch gehören mittlerweile zu den besten der Welt. Und sind dabei auch noch für Schnäppchenpreise zu haben.

Bummeln in der Adderley Street

Als ich wieder in die Seilbahn steige, freue ich mich schon auf ein kühlen Sauvignon Blanc. Mit Blick auf den Lions Head-Gipfel zur linken schwebe ich der Stadt am Fuße des Tafelbergs entgegen. Violette Jacaranda-Bäume stehen wie Farbtupfer in den Straßen. Noch bunter leuchten nur noch die Blumen auf dem Flower Market am Trafalger Place. Von dort bummel ich weiter über die anschliessende Adderley Street mit ihren unzähligen Boutiquen und Lokalen. Links ragt die Groote Kerk in den blauen Himmel. An ihrer Stelle standen einst zwei kleine Gotteshäuser, darunter die 1678 gebaute erste Kirche Südafrikas.

Wenige Schritte weiter geht die Adderley Street in die Government Avenue über. Hier beginnen die einstigen Gärten der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie, in denen der erste Gouverneur am Kap, Jan van Riebeeck, im 17. Jahrhundert Obst und Gemüse anbauen liess. Ich schlendere vorbei am Parlament und der South African National Gallery mit ihrer grossartigen Sammlung südafrikanischer Werke.

Castle of Good Hope – das erste Steingebäude Südafrikas

Bevor ich die Idee mit dem Weisswein zum Aperò an der Victoria & Alfred Waterfront in die Tat umsetze, lege ich noch einen Zwischenstopp am Castle of Good Hope an. Für das erste Steingebäude Südafrikas haben die holländischen Kolonialherren 1666 jeden einzelnen Steinblock per Schiff aus Holland ans Kap transportiert. Glaubten die Holländer ernsthaft, es gebe in Südafrika keine Steine? Ob es wegen der mühsam importierten Steinquader besonders stabil war, bleibt auch ungeklärt – das Kastell wurde nie angegriffen.

Als Sehenswürdigkeit aber ist die Burg beliebt. Sie gehört zum festen Bestandteil jeder City-Tour, genauso wie das van Riebeeck-Standbild. Es befindet sich am Übergang der Heerengracht in die Adderley Street genau an dem Ort, an dem Jan van Riebeck 1652 im Auftrag der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie eine Versorgungsstation baute. Es war die erste von Europäern im südlichen Afrika errichtete Siedlung. Portugiesen und Engländer waren zuvor mit ihren Versuchen, am Kap Fuss zu fassen, gescheitert.

Das Geschichtsbuch in der einen, der Sauvignon Blanc in der anderen Hand

Kapstadts Geschichte ist spannend und Grundlage für die wechselvolle Geschichte des ganzen Landes. Mit einem Geschichtsbuch in der einen und einem Sauvignon Blanc aus Stellenbosch in der anderen Hand setze ich mich jetzt endlich an der Victoria & Alfred Waterfront an einen der Cafétische. Nach ein paar Seiten über den holländischen Südafrika-Pionier lege ich das Buch weg. Ich nippe an dem herrlichen Wein, schaue über das Häusermeer von Kapstadt hinauf zum Tafelberg und denke mir: „Gute Wahl, Herr van Riebeeck!“